Ballistic Therapy:
Mein Duft-Bullet(in) zu 9mm


Provokation will gekonnt sein, und ich denke, mit seinem ersten Duft 9mm ist das dem jungen Berliner Luxuslabel Ballistic Therapy gelungen: dank einem Gesamtkonzept, das aus meiner Sicht zwar gewagt, dabei aber hochkreativ und durchdacht bis ins Kleinste ist. Und dank einem Duft, der mal wieder (Geza Schön war am Werk) polarisieren dürfte. Und dazu ist (Parfüm-)Kunst unter anderem da.

Aber von Anfang an. „Ballistic Therapy“ bedeutet, auf Dinge zu schießen, um Stress abzubauen – je lauter der Knall, desto größer die Wirkung. Ich finde, 9mm trifft lautstark ins Schwarze. Der Duft ist inspiriert von der Erfindung des Schwarzpulvers im alten China. Schwarzpulver in der Kopfnote: Das dürfte es bislang kaum gegeben haben.

„Dysfunctional misfit“ nennt Schöpfer Geza Schön seine Kreation – einen dysfunktionalen Außenseiter, und er erklärt: „9mm fügt sich in keine Kategorie ein. Duftfamilie Al Capone!“ Laut eigener Aussage will 9mm Männlichkeit in einen Flakon bannen. Weil aber besagte Männlichkeit auch ein soziales Konstrukt ist, geht der Duft durchaus als Unisex durch: eine raue Duftwaffe für Typen von James Bond bis zum agent provocateur, eine Rezeptur für moderne Alpha-(Fe-)Males.

Auch ein Teil des Konzepts: Ballistic Therapy liefert augenzwinkernd eine bildhafte Olpha Scale mit, Topnote: Gorilla-Silberrücken. Das macht Spaß.

„Destroy to create“ heißt es dann beim Flakon. Erst wer ihn zerstört, hat Zugriff auf die darin verkapselte 9mm-Patrone. Die wiederum lässt sich – der Handgriff des Flakons aus handgeknüpfter Kordel kann ausgerollt werden – als Anhänger tragen. Durchdacht ist auch das Packaging. Das Schiefergrau: genau die Farbe von Steve McQueens Porsche in der Eröffnungssequenz des Filmklassikers „Le Mans“. Das Orange entstammt aus der Welt der Jäger, nämlich deren Sicherheitswesten und Markierungen. Und das Kupfer schließlich nimmt Bezug auf die 9mm Patrone. 

Auch wenn dieses Konzept zuweilen martialisch anmutet – 9mm ist auch ein Charityprojekt: Stattliche 20 % der Gewinne werden gezielt an friedensfördernde Projekte gehen.

Hinter Ballistic Therapy steckt der Berliner Entrepreneur Jan Mihm. Es ist nicht sein erster Ausflug auf den Beautymarkt: Er ist Co-Pilot des Berliner Kosmetiklabels uslu airlines.